Nord-Ostsee-Kanal
Wie der Name schon verrät, verbindet der Nord-Ostsee-Kanal die Nordsee und die Ostsee, indem er einmal quer durch Schleswig-Holstein verläuft. Er hat seinen Beginn in Kiel-Holtenau, direkt an der Kieler Förde und führt dann gen Westen durch Sehestedt, am Naturpark „Hüttener Berge“ vorbei, unter der Rader Hochbrücke und durch Rendsburg hindurch. In einem großen Bogen geht es durch Mittelholstein Richtung Südwesten. Hier führt der Kanal schnurgerade durch Dithmarschen und hält schon auf die Nordsee zu, die er durch Brunsbüttel und der Elbe-Mündung erreicht.
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Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrenste künstliche Wasserstraße der Welt. Annähernd 32.000 Schiffe jährlich bringt der Kanal von die Ostsee in die Nordsee oder anders herum. Mit einer Wassertiefe von etwa 11 Metern und einer durchschnittlichen Breite von 162 Metern wird stellenweise ordentlich rangiert, damit Containerschiffe und Kreuzfahrtschiffe ungefährdet aneinander vorbei kommen. Doch wie auf der Straße gibt es in der Seefahrt klare Vorschriften, die das sichere Fahren auf dem Kanal regeln. Diesen besonderen Wasserweg durch Schleswig-Holstein ist bekannt als „Straße der Traumschiffe“.
Auf der mehr als 98 Kilometer langen Passage gibt es im Übrigen mehr Schiffsverkehr als im Panamakanal und Sueskanal zusammen!
Auch wenn man selbst kein Kapitän einer der großen Pötte ist, die den Nord-Ostsee-Kanal (internationale Bezeichnung „Kiel Canal“) befahren, so gibt es dennoch die Möglichkeit, auf Ausflugsschiffen dem regen Betrieb auf der Seestraße und den Ozeanriesen ganz nah zu sein. Weitere Infos zu Ausflugsfahrten auf der „MS Princess“ und dem historischen Raddampfer „Freya“ finden Sie hier: Ausflugsfahrten, ahoi!
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Eine Fahrt auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist zudem eine tolle und entspannte Gelegenheit Schleswig-Holstein kennenzulernen. Denn das Land zwischen den Meeren hat viel zu bieten. Planen Sie sich dazu genügend Zeit ein. Eine Fahrt von Kiel nach Brunsbüttel dauert mehr als 7 Stunden.
Was für uns ein gemütlicher Tagesausflug ist, ist für die Frachtschiffe auf ihren weiten Reisen um die Welt eine regelrechte Zeitersparnis. Denn die einzige andere Alternative den Seeweg zwischen Ostsee und Nordsee zu beschreiten, würde um Dänemark herum führen. Die Reise durch die rauen Gewässer rund um Jütland, Skagerrak und Kattegat, würde ein Umweg von gut 460 Kilometer bedeuten. So ist es wohl nicht verwunderlich, dass die ersten Pläne für eine „Abkürzung“ über Land bis ins 7. Jahrhundert zurück gehen, als noch die Wikinger ihre Waren zwischen den Meeren hin und her beförderten.
Der dänische König Christian VII. ließ im späten 18. Jahrhundert den „Eiderkanal“ bauen, welcher von Kiel nach Rendsburg führte und von dort durch die Eider bis nach Tönning gelang, zu der Eidermündung in die Nordsee. Die Fahrten jedoch waren beschwerlich und dauerten 3 bis 4 Tage.
Erst ein halbes Jahrhundert später gab es ernste Hochrechnungen der Kosten und Planungen für eine effizientere Verbindung von Ost- und Nordsee, die sowohl für Handles-, Dampfer- und Kriegsschiffe gut befahrbar sein sollte. Der preußische Kanzler Otto von Bismarck erteilte 1864 den Auftrag konkrete Abwägungen für das Bauprojekt des Kanals zu erstellen. Nach einigen Jahren des Diskutierens von Für und Wider des Kanalbaus erhielt Bismarck die Zusage von Kaiser Wilhelm I. und Ideen und Pläne nahmen langsam Gestalt an. Auch wenn der Anfangspunkt des Kanals, in Kiel, einen deutlich höheren Aufwand an Mehrkosten bedeutete, wurde sich schließlich gegen den ersten Kanalverlauf entschieden, der in der Eckernförder Bucht begonnen hätte.
Der Grundstein für den Nord-Ostsee-Kanal, so wie wir ihn heute kennen, wurde am 3. Juni 1887 in Kiel-Holtenau gelegt. Während in Holtenau die großen Schleusen gebaut wurden, sah man frohen Mutes in die Zukunft, doch selten bleibt ein solch gigantisches Bauprojekt ohne Stolpersteine und Komplikationen.
Nach acht beschwerlichen Jahren der Bauzeit hatten bis zu 8.900 Arbeiter rund 80 Millionen m³ Erdreich bewegt und am 21 Juni 1895 wurde der neue Wasserweg unter dem Namen „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ feierlich eröffnet. An diesem Tag entstand die älteste Filmaufnahme Deutschlands, Birt Acres' Film „Opening of the Kiel Canal“, welcher heute im Science Museum in London aufbewahrt wird.
Bemerkenswert für ein Bauprojekt dieser Größenordnung ist es, dass die geplanten Kosten nicht überschritten wurden, der Bau des Kanals hat bis zu seiner Fertigstellung rund 156 Millionen Mark gekostet.
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Dem technischen Fortschritt und die damit verbundene Modernisierung und Vergrößerung der Kaiserlichen Marine wurde der stolze „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ allerdings schon nach wenigen Jahren nicht mehr gerecht. Er war einfach zu klein für die aufgerüsteten Großkampfschiffe. So begannen die ersten Ausbauarbeiten, die den Kanal deutlich verbreiterten und mehr Tiefgang aushoben, zudem erhielten Kiel und Brunsbüttel je zwei neue Schleusen, die mehr als doppelt so groß waren, wie die alten. Des Weiteren wurde ein Teil des Kanalverlaufs bei Rendsburg begradigt. Mit einem Aufwand von 242 Millionen Mark waren die Ausbauarbeiten teurer als der gesamte ursprüngliche Bau.
Während des Zweiten Weltkriegs war der Kanal durchweg befahrbar und blieb von größeren Schäden verschont. 1948 bekam er offiziell seinen heutigen Namen: Nord-Ostsee-Kanal.
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Seit dem gibt es einige weitere Anpassungen und Optimierungen am Nord-Ostsee-Kanal, um den heutigen Anforderungen der Schifffahrt gerecht zu werden.
Momentan erhält Brunsbüttel eine 5. Schleusenkammer, die laut Planung 2026 für den Schiffsverkehr freigegeben werden soll. Kurven sollen abgeflacht, enge Stellen verbreitert und die Kanalsohle vertieft werden. Auch die Kieler Schleusen warten auf eine Erneuerung, besonders, da die kleinen Schleusen seit 2014 wegen Baufälligkeit außer Betrieb sind. Mitte 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen.
Doch da besonders die Frachtschiffe immer größer werden – aktuell erreichen die „Ultra Large Container Ships“ eine Länge von 400 Metern und sind damit zu groß für das Durchqueren des Kanals und seiner Schleusen – wird es voraussichtlich auch in Zukunft weitere Umbaumaßnahmen geben...
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Auf dem Nord-Ostsee-Kanal gibt es strenge Regeln, was das Überholen anderer Schiffe und die Begegnung mit dem entgegenkommenden Schiffsverkehr angeht Die Höchstgeschwindigkeit für alle liegt bei 15 km/h (8,1 Knoten) – bei Schiffen mit mehr als 8,5 Metern Tiefgang bei 12 km/h (6,5 Knoten). Die maximalen Schiffsabmessungen, die für den Kanal zulässig sind, betragen eine Länge von 235 Metern, eine Breite von 32,5 Metern, einen Tiefgang von 9,5 Metern und eine Masthöhe von 40 Metern. Kontrolle und Überwachung übernimmt die Verkehrszentrale Nord-Ostsee-Kanal (VKZ NOK) des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Brunsbüttel.
Die großen Schiffe (Frachter und Kreuzfahrtschiffe) sind im Übrigen dazu verpflichtet einen Kanallotsen mit auf ihrer Reise durch den Kanal an Bord aufzunehmen. Sie sorgen für ein sicheres Navigieren durch die Schleusen, kennen jede Kurve und wissen bestens Bescheid, was zu tun ist, wenn einem plötzlich ein riesiges Containerschiff entgegen kommt.
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Natürlich kann man den Betrieb auf dem Nord-Ostsee-Kanal nicht nur vom Wasser aus bestaunen, sondern auch vom Land aus. Zu beiden Seiten der Wasserstraße gibt es angelegte Rad- und Wanderwege. Von einer Seite auf die Andere kommt man problemlos über zahlreiche kostenlose Fähren. Auch die Schleusen und ein dazugehöriges Museum können das ganze Jahr über sowohl in Kiel als auch in Brunsbüttel besucht werden um noch einen viel tieferen Einblick in die Historie des Nord-Ostsee-Kanal zu bekommen. Insgesamt acht Hochbrücken und zwei Tunnel führen über und unter dem Kanal hindurch und leiten Straßen, Schienen und Fußgängerwege von Nord nach Süd und zurück.
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